Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft 2012
an Dževad Karahasan
Die Heinrich-Heine-Gesellschaft verleiht ihre Ehrengabe 2012 an den bosnischen Schriftsteller Dževad Karahasan. Zum ersten Mal geht der Preis damit an einen Autor außerhalb des deutschsprachigen Raumes und ehrt einen Essayisten, der in seiner Interpretationskunst die gesamte abendländische und morgenländische Kultur vereinigt und durch die Geschichte hindurch ihre Traditionsfäden aufzeigt. In der Begründung der Jury heißt es: „Er schöpft ganz im heineschen Sinne als ‚Künstler, Tribun und Apostel’ aus dem Wissen der Menschheitsgeschichte samt ihren Höhen und Tiefen. Mit unablässigem und souveränem poetischen Charme überwindet er die Grenzen von Ländern, Zeiten, Kulturen und Religionen, zumal im muslimisch-christlichen Kontext. Als Dramatiker, Erzähler und Essayist trägt er nachhaltig zur inneren wie äußeren Befreiung aus der Unterdrückung bei und hilft durch sein Werk, humane Bedingungen zu schaffen.“
Dževad Karahasan wurde 1953 in Duvno geboren. Als Literaturwissenschaftler hat er an verschiedenen europäischen Universitäten gelehrt. Seine Theaterstücke wurden in Österreich, Deutschland, Bosnien-Herzegowina, der Ukraine, Tschechien, Kosovo, Polen, Singapur und den USA gespielt. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt den Herder-Preis 1999, den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2004 und den Vilenica Preis des slowenischen Schriftstellerverbandes 2010. Er lebt und arbeitet in Graz und Sarajevo.
Der Festakt der Verleihung der Ehrengabe an Dževad Karahasan findet statt an Heines 156. Todestag am 17. Februar 2012 im Düsseldorfer Savoy-Theater. Die Laudatio hält Dr. Lothar Müller. Die Ehrengabe ist ein undotierter Literaturpreis. Überreicht wird eine Bronzearbeit (Buchobjekt „Die Schere der Zensur“) von Bert Gerresheim, dem Schöpfer des Düsseldorfer Heine-Monuments.
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» Neuerwerbung für das Heine-Institut
Ein Heine-Brief an seine Schwester Charlotte konnte bei der April-Auktion von Stargardt in Berlin erworben werden.
Das Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut hat im April auf der Stargardt-Auktion in Berlin einen Brief Heines aus Paris an seine Schwester Charlotte in Hamburg gekauft. Die Heine-Gesellschaft hat den Ankauf (Kaufpreis insgesamt: 26.000 Euro) mit einem Betrag von 20.000 Euro maßgeblich unterstützt.
Der kleine Brief, den Heine seiner Schwester Charlotte am 23. Juni 1842 aus Paris schreibt, zeugt von der engen Vertrautheit der beiden Geschwister. Bereits elf Jahre ist es zu diesem Zeitpunkt her, dass Heine Deutschland verlassen hat und erst im darauffolgenden Jahr wird er zum ersten Mal wieder nach Deutschland zurückkehren und seine Familie in Hamburg besuchen. Ein Jahr zuvor, 1841, hat Heine geheiratet, und so ist seine Frau Mathilde, über die Heine hier sehr freimütig spricht, der Familie noch nicht bekannt. Der Brief ist daher in mehrfacher Beziehung ein sehr schönes privates Familienzeugnis.
Der Brieftext war bereits bekannt und ist ediert. Interessant ist die Herkunft des Briefes: Dina Vierny (1919-2009), die berühmte Vorbesitzerin, war "Modell und Muse" von Aristide Maillol, dessen "Harmonie"-Statue im Düsseldorfer Hofgarten als Heine-Denkmal fungiert.

(Vorderseite)
Paris den 23 Juni 1842.
Liebe gute Schwester,
Ich habe Dir noch zu danken für Deinen lieben niedlichen und geistreichen Brief. Du bist
eine ganz prächtige Person ‑ Du weißt ich mache selten Complimente - aber Du, liebes
Lottchen, verdientest eine ganze Ladung Schmeichelworte. Schreib mir oft, Du weißt gar
nicht wie sehr Du mich erheiterst u. erquickst - Du schreibst allerliebst. ‑ Ich bin neugierig,
ob Deine älteste Soch* Dir nachschlägt. Hat sie vielleicht das Sanfte von der Großmutter?
Meine Frau** läßt Dich grüßen. Die würde Dir gefallen, wenn Du sie sähest. Eine engelgute,
grundehrliche Seele, durch und durch großmüthig und nobel, aber wild und launig,
mitunter auch quälerisch und zänkisch ‑ was jedoch immer noch erträglich, da sie dabey
sehr hübsch und graziöse bleibt. ‑ Diese Tage sah ich den jungen Holländer, der Dir Grüße
von mir zurückbringt; er sieht gar nicht gealtert aus. – Grüße mir meinen Schwager. Die
kleinen Puppen küsse ich herzlich. Nächstens mehr. Ich brauche jetzt die Wasserkur ‑ ob
sie mir helfen wird, weiß Gott! Dein getreuer Bruder
H. Heine
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* "Soch": hebr. "Sprössling" – gemeint ist Charlottes Tochter Marie Embden.
** "Meine Frau": Im Vorjahr hatte Heine seine Lebensgefährtin Augustine Crescence ("Mathilde") Mirat geheiratet.

(Rückseite)
